EVP Brief 02-2019 / Februar 2019

Das Dilemma der Macht

Jesus hatte leicht reden: «Liebt eure Feinde» und «Gib dem, der dich bittet!». Er selber hatte keinen Besitz zu verteidigen, keine Macht zu verlieren. Er lebte radikal und konnte darum auch überzeugend radikale Forderungen stellen. Seinen Jüngern ging es nach Ostern genau gleich. Sie hatten auch nicht viel zu verlieren. Darum konnten sie alles miteinander teilen, ohne Angst, zu kurz zu kommen. Das machte Eindruck, faszinierte, zog viele Menschen an, die Bewegung wuchs. Und irgendwann bauten sie die erste Kirche, bezahlten den ersten Lohn, übten Einfluss auf politische Entscheide aus – und bald wurde auch der Kaiser Christ. Und die vorher Verfolgten verfolgten nun selber alle anders Glaubenden. Sie predigten noch immer, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe als ein Reicher in den Himmel, aber sie nahmen es nicht mehr wörtlich, denn sie waren selber reich geworden. Sie mussten mit Kompromissen glauben und mit Kompromissen leben.

Und genau so machen wir es heute noch. Wir haben Macht und müssen sie ausüben. Müssen manchmal gegen unser Herz und unsere tiefsten Überzeugungen entscheiden. Wir haben Geld und müssen es einteilen. Können nicht allen geben, die uns bitten. Wir sind als Konsumenten winzig kleine Rädchen im grossen Getriebe des Weltmarkts. Wir können oft gar nicht anders als ungerechte Strukturen erhalten und unterstützen. Haben keinen Einfluss darauf, wie unsere Pensionskassengelder investiert werden. Müssen wir resignieren? «Sorry, Jesus! Wir können nicht halten, was du von uns verlangst.» Oder sollten wir alles aufgeben, weggeben und ihm radikal nachfolgen?

Nein, wir können auch versuchen, das Dilemma auszuhalten. Wissen, dass wir es ihm nicht recht machen können und es trotzdem immer wieder versuchen. Den Spagat üben zwischen dem, was gut wäre und dem, was möglich ist. Uns immer wieder herausfordern und verunsichern lassen. Unvollkommenheit üben. Und in Anspruch nehmen, dass er uns gnädig ist.

Samuel Burger

 

Jahresbericht 2018

Das Jahr war geprägt von der Neuausrichtung im Vorstand. Vorübergehende Lösungen wurden für die Protokollführung und die Adressverwaltung gefunden. Im Verlauf des Jahres haben wir uns leider wieder neu organisieren müssen. Wir sind weiterhin auf der Suche nach Nachwuchskräften für die Vorstandsarbeit.

Wir führten traditionell unseren Familienanlass im Sommer und das Risottoessen im Oktober durch. Das „Fötzele“ mit den Asylsuchenden war aufgrund neuer Richtlinien der Heilsarmee und des Kantons leider nicht mehr möglich. Wir werden jedoch im Jahr 2019 wieder aktiv. Stetiger Kontakt mit der Leitung der Kollektiv- unterkunft an der Emmentalstrasse macht dies möglich.

Der Vorstand beteiligte sich an Vorinformationen des Gemeinde-rates über die Schullandschaft Stalden. Eine gemeinsame Erklärung zu Gunsten des Projektes zusammen mit anderen Parteien wurde an die Einwohnerinnen und Einwohner von Konolfingen abgegeben.

Die Website wurde entrümpelt und mit aktuellen Informationen ergänzt, dies auch im Zuge einer Reform der Webseite der EVP Schweiz. Im Weiteren verfassten wir Artikel für unseren internen EVP-Brief wie auch für den viermal jährlich erscheinenden Chonufinger.

Ausblick:
Auf den Herbst 2019 werden wir die Wiederwahl unserer bisherigen Nationalrätin Marianne Streiff-Feller nach Kräften unterstützen. Die Zusammenarbeit mit jüngeren Politinteressierten wird intensiviert da Anfänge gut angelaufen sind.
Das erfreulichste: Wir können mit Therese Schürch die Nachfolge von Hansjörg Kurt, unserem Gemeinderat, aufbauen, mit dem Ziel, bei den nächsten Wahlen den Sitz der EVP wieder zu besetzen.

Heinz Zingg, Präsident

Termine

Hauptversammlung EVP, Freitag, 8. März 2019
BewegungPlus, Burgdorfstrasse 10
20.00 Hauptversammlung anschliessend gemütliches Zusammensein bei Kaffee und Kuchen